Demografischer Wandel als Herausforderung

Deutschland altert, aber der Wohnungsmarkt ist darauf nur unzureichend eingestellt

IG-BAU-Chef Klaus Wiesehügel warnt vor sozialem Konfliktstoff.

“Nur etwa 250.000 Wohnungen sind derzeit seniorengerecht ausgebaut”, kritisierte Wiesehügel, Chef der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt, am Ostermontag in Frankfurt. Bis zum Jahr 2020 würden jedoch rund 800.000 altengerechte Wohnungen benötigt. Bereits in zehn Jahren werden der Gewerkschaft zufolge 13,6 Millionen Menschen in Deutschland 70 Jahre oder älter sei.

Der Wohnungsmarkt in Deutschland sei nicht auf die demografische Entwicklung eingestellt, so Wiesehügel. Er warnte vor einem dramatischen Mangel an seniorengerechten Wohnungen. Bund, Länder und Kommunen müssten bessere Rahmenbedingungen für die Sanierung und den Neubau altengerechter und bezahlbarer Wohnungen schaffen.

Pflegeheime verursachen enorme Kosten

Eine ambulante Pflegebetreuung setzt laut Wiesehügel in vielen Fällen ein seniorengerechtes Sanieren voraus.“Wenn ältere Menschen wegen mangelnder Barrierefreiheit in der eigenen Wohnung nicht mehr gepflegt werden können, bleibt nur die Unterbringung in Pflegeheimen“ sagte der Gewerkschaftschef.
Das bedeutet, dass die Menschen ihr vertrautes Wohnumfeld verlassen müssten. Heimaufenthalte verursachten zudem enorme Kosten. Könnten nur 10.000 Heimaufenthalte vermieden werden, bedeutete dies jährlich Einsparungen von rund 200 Millionen Euro.

Sozialen Konfliktstoff sieht der IG-Bau-Chef auch im bezahlbaren Wohnraum für Ältere: “Sinkende Alterseinkommen sowie steigende Miet-und Nebenkosten werden uns in den kommenden Jahren eines der zentralen sozialen Problemen bescheren.” Bezahlbare Wohnungen für Ältere werden zunehmend zur Mangelware. “Wir steuern geradewegs auf eine Zwei-Klassen-Wohn-Gesellschaft zu”, warnte Wiesehügel.

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Gero Lüers
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