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Wahl 2011
Sie putzen “Osnabrück” – und sie leisten einen guten Job!
Interview mit Wolfgang Kuhn, Gewerkschaftssekretär der IG BAU
Etwa 850.000 Menschen arbeiten in Deutschland im Gebäudereinigerhandwerk. Nahezu 95 Prozent der Beschäftigten arbeiten Teilzeit. Viele sind Alleinverdiener/innen und müssen mit diesem Einkommen ihre Familien ernähren. Für die Reinigung der städtischen Gebäude werden neben ca. 70 eigenen Reinigungskräften auch zehn private Reinigungsfirmen eingesetzt. In den letzten Wochen hat sich in den Medien und in den Fachausschüssen der Stadt eine Debatte über die Arbeitsbedingungen in diesen Firmen entzündet.
Die POSAUNE sprach darüber mit Wolfgang Kuhn, Sekretär der zuständigen Gewerkschaft IG BAU in Osnabrück:
Wolfgang, wie müssen wir uns diese privaten Reinigungsfirmen vorstellen? Alles kleine Ausbeuter-Buden?
Nein, in der Regel ist hier alles vertreten, bis hin zum Großbetrieb mit einigen tausend Beschäftigten. Grundsätzlich halten sich die Firmen auch an Tarifverträge und Gesetze. Es gibt aber auch schwarze Schafe, die z. B. keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kennen.
Es sind dann aber die “anständigen” Firmen, die realistisch kalkulieren. Die wissen, dass sie zu den geforderten Bedingungen den Auftrag nicht erledigen könnten. Sie verlieren lieber Aufträge und Personal, als hier unsauber zu werden. Unsauber kalkulieren heißt aber in der Konsequenz, den Wettbewerb auf dem Rücken der Leute auszutragen.
Erst heute hatte ich hier eine Kollegin im Beratungsgespräch, die arbeitet dann lieber länger – und unbezahlt – ehe sie sich vorwerfen lässt, die Arbeit nicht zu schaffen. Wer im Reinigungsbereich tätig ist, will, dass es am Ende auch sauber ist.
Unter welchen Bedingungen arbeiten denn die Kolleginnen und Kollegen bei den Firmen?
Es gibt einen als allgemeinverbindlich erklärten Mindestlohn von 8,40 Euro pro Stunde, außerdem zwischen 28 und 30 Tagen Jahresurlaub – je nach Betriebszugehörigkeit. Außer einem geringen Urlaubsgeld gibt es aber keine weiteren Zulagen.
Entscheidend für die Arbeitsbedingungen ist aber nach meiner Erfahrung der Zeitfaktor: Um das Pensum in den Objekten überhaupt zu schaffen, herrscht eine unglaubliche Arbeitshetze! Da wird auch schon mal aufgefordert, zu pfuschen.
Was könnt Ihr als IG BAU da tun?
Natürlich kämpfen wir in den Tarifrunden für mehr Geld usw. Es geht aber unseren Kolleginnen und Kollegen um mehr, nämlich um ihr Ansehen, um ihre Berufsehre. Da leisten wir eine Menge Öffentlichkeitsarbeit.
Wichtig ist, dass wir als Gewerkschaft helfen, die Netzwerke der Beschäftigten untereinander auszubauen. Das hilft beim Erfahrungsaustausch und bei der Entwicklung gemeinsamer Strategien. So trifft sich hier z. B. regelmäßig die Fachgruppe Gebäudereinigerhandwerk. Außerdem bieten wir Schulungen an: “Nicht auf den Mund gefallen!” hilft, die eigenen Bedürfnisse artikulieren zu können.
Wie können wir städtischen Beschäftigten die Kolleginnen und Kollegen unterstützen?
Da habe ich eine Bitte: Nicht sofort die Beschwerde raushauen, sondern bei Problemen mit den Kolleginnen und Kollegen sprechen. Da klärt sich meist schnell, wer für diese Probleme verantwortlich ist. Und natürlich immer wieder darauf hinweisen: Gewerkschaftsmitglieder stehen nicht schutzlos da!
IG BAU
Büro Osnabrück
August-Bebel-Platz 1
49074 Osnabrück
Telefon: (05 41) – 33 50 10
Telefax: (05 41) – 3 35 01 13 16
Mobil: (01 70) – 3 33 09 78
E-Mail: wolfgang.kuhn@igbau.de
Gero Lüers
IG BAUEN AGRAR UMWELT
Regionalbüro
Theodor Neutig Straße 41
28757 Bremen
Telefon0421 685555-80
Fax0421 685555-89
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