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Baukonjunktur im Jahr 2015: Real 4 % mehr Aufträge

Aktuelle Kurzinformation Nr. 3/2016

Die Beschäftigung im Bauhauptgewerbe lag im Dezember 2015 mit 773.700 um 3,1 % über dem Vorjahresniveau. Aufs Jahr gesehen lag die Beschäftigung mit 767.700 um 5.600 über dem Vorjahresstand (+0,7 %).

Alle ausgewiesenen Daten von Beschäftigung, Arbeitsstunden und Umsatz sind bis zu den Februar-Daten 2016 nunmehr endgültig.

Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden der Betriebe lag im vergangenen Jahr – auch witterungsbedingt – um 0,6 % unter dem Vorjahresniveau, allerdings mit deutlichem Plus im 2. Halbjahr. In 2014 hatten sie den Vorjahreswert aufgrund des milden Winters deutlich übertroffen.

Der baugewerbliche Umsatz im Bauhauptgewerbe lag im gleichen Zeitraum mit 101,0 Mrd. € um 1,6 % über dem Stand von 2014. Im Jahr 2014 hatte er das Vorjahresergebnis um 4,1 % übertroffen.

Im Jahresdurchschnitt 2015 lagen die Auftragseingänge in Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten preisbereinigt insgesamt um 4,0 % über dem Niveau des Vorjahres. Sie stiegen dabei im Hochbau um 4,2 % und im Tiefbau um 4,1 %.

Die Auftragslage der einzelnen Bausparten fiel in diesem Zeitraum unterschiedlich aus. Der Zuwachs im Wohnungsbau um 11,8 % trägt dabei massiv das Gesamtergebnis. Rückläufig ist lediglich noch der Wirtschaftshochbau mit –0,6 % gegenüber dem Vorjahr. Straßenbau (+1,8 %) und sonstiger Tiefbau (+5,3 %) weisen dagegen inzwischen ebenfalls Zuwachsraten auf.

Die Auftragsbestände im Bauhauptgewerbe lagen im Februar 2016 laut ifo-Befragung mit 2,7 Monatsproduktionen leicht über dem Stand des Vorjahresmonats von 2,6.

Das Geschäftsklima der befragten Baubetriebe stieg im Vorjahresvergleich erneut deutlich um gut 6 Punkte an, die Geschäftserwartungen blieben unverändert auf dem höchsten Niveau seit März 2014.

Die Zahl der Baugenehmigungen in neu errichteten Gebäuden lag in den ersten elf Monaten 2015 mit 240.000 um 4,7 % über dem Vorjahresstand. Im Nichtwohnungsbau waren es – 1,8 %, darunter im öffentlichen Bau + 0,9 %. Im Jahr 2014 zeigten sie bei den neu errichteten Gebäuden noch einen Anstieg um 4,5 % auf 246.000. Siehe hierzu im Einzelnen die AKI Nr. 8/2015 vom 18.3.2015.

Die Ergebnisse der Baufertigstellungen lagen 2014 mit rund 245.300 Wohnungsfertig- stellungen zwar um 14.000 Einheiten über dem Vorjahr. 2015 dürften sie bei 265.000 gelegen haben. Sie sind damit aber immer noch deutlich von den jährlich notwendigen mindestens 400.000 Einheiten entfernt, zumal die Zuwanderung nach Deutschland weiter anhält.

Die Baupreissteigerungen bleiben gering: Sie lagen im 4. Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahr in einer Spanne von 0,7 % bis 2,2 %. Darunter bei Bürogebäuden um 1,8 %, im Wohnungsneubau bei 1,6 %, für Wohnungsinstandhaltung bei 2,2 % und im Straßenbau bei 0,7 %.

Es hängt für den Bau auch in diesem Jahr viel von der Entwicklung der mit rund 60 % größten Bausparte, dem Wohnungsbau – sowohl im Neubau als auch im Bestand -, ab. Hier sah es bislang hinsichtlich der Bautätigkeit noch gut aus.

Die beschlossene Schuldenbremse wird sich dagegen auch mittelfristig dämpfend auf den öffentlichen Bau und die dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen auswirken. Die Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung hat für die gewerblichen Bauinvestitionen wieder zugenommen.

Im Jahr 2015 nahmen die Bauinvestitionen, die ausschließlich vom Wohnungsbau getragen wurden, nur um + 0,2 % zu, nachdem sie im Jahr zuvor aufgrund der milden Witterung um preisbereinigt 2,9 % angestiegen waren. Dafür wird für 2016 mit +2,2 % wieder ein stärkerer und 2017 ein erneut leichter Zuwachs von 1,2 % erwartet.

Trotz all unserer Lobbyarbeit in der Wohnungsbaupolitik wie auch bei den dringend notwendigen Infrastrukturinvestitionen bleibt das Ergebnis der politisch Verantwortlichen bislang für uns und die Wohnungssuchenden sowie bei der Infrastrukturausstattung noch unbefriedigend.

Im Wohnungsbau hatten wir unsere politischen Aktivitäten auf die Koalitionsverhandlungen mit Zielrichtung auf die künftigen Haushalte bei der Förderung des sozialen Wohnungsbaus, des Neubaus sowie der energetischen Gebäudesanierung gerichtet.

Zwar hat sich der Neubau von niedrigem Niveau ausgehend positiv entwickelt; er liegt aber gerade in den Ballungszentren und Unistädten immer noch viel zu niedrig, vor allem im Segment des bezahlbaren Wohnraums.

Gemäß den Beschlüssen am Jahresende aus Wirtschafts- und Umweltministerium sollten das KfW-Programm mit Zuschüssen für energetische Sanierungen aufgestockt und die energetische Gebäudesanierung bei selbst genutztem Wohneigentum steuerlich gefördert werden. Letztere Regelung bedarf aber der Zustimmung des Bundesrates und scheiterte im Februar Anfang 2015 wohl endgültig. Die Finanzierung waren gekoppelt an Verschlechterungen beim sog. Handwerkerbonus, was wiederum mit steigender Schwarzarbeit verbunden gewesen wäre.

Im Mai 2015 hatte das Bundeswirtschaftsministerium – als Ersatz – ein kleineres Energieeffizienzprogramm in Höhe von 165 Mio. € beschlossen, dass aber gerade die Förderung baulicher Energiesparmaßnahmen weitgehend außen vor lässt.

Mit diesen Maßnahmen wird die Bundesregierung ihr Ziel, die energetische Sanierungsquote auf 2 % zu verdoppeln, keinesfalls erreichen.

Wir werden daher weiter mit unseren guten Argumenten für stärkere Aktivitäten gerade im Mietwohnungsbau werben – so bei dem im Sommer 2014 von Bauministerin Hendricks gestarteten Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen sowie beim 7. Wohnungsbautag im April 2015. Zwar hat das von der Bundesregierung initiierte „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ gemeinsame Positionen formuliert, die aber von den politisch Verantwortlichen immer noch nicht in Gesetze als Voraussetzung für mehr bezahlbaren Wohnraum umgesetzt wurden. Hier bleibt zu hoffen, dass der Kabinettsbeschluss vom Februar 2016 einer Sonderabschreibung in Engpassregionen auch tatsächlich bald umgesetzt wird. Allerdings – aus unserer Sicht – verbunden mit einer Mietobergrenze, damit diese Förderung auch bei den Mieten ankommt.

Gleichzeitig treten auch die Lücken in vielen Infrastrukturbereichen immer deutlicher zu Tage. Detailliert wurde darauf in der AKI Nr. 23 im Juli 2013 eingegangen. Auch hier wurden die zunächst deutlich höheren Investitionszusagen in der letzten Verhandlungsnacht 2013 auf die viel zu niedrige Größe von 5 Mrd. € binnen 4 Jahren zurückgefahren.

Auch die im März 2015 verkündeten zusätzlichen Haushaltsmittel für die Jahre 2016 bis 2018 sind deutlich zu wenig, um dem Investitionsstau, gerade auf kommunaler Ebene, wirksam entgegenzuwirken. 15 Mrd. € jährlich wären ab sofort notwendig – weit mehr als in der Planung der Bundesregierung. Daher hat sich die IG BAU engagiert in der vom Bundeswirtschaftsminister eingesetzten Expertenkommission zur Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur zusammen mit anderen DGB-Gewerkschaften für mehr Investitionen eingesetzt. Details hierzu finden sich in der AKI Nr. 12/2015 vom 21.04.2015.

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