Schlaglicht

Superreiche endlich zur Kasse bitten!

Als die Finanzkrise 2007/2008 ihren Verlauf nahm, schlotterten manchem Vermögenden die Knie. Nach Jahren ungezügelter Exzesse drohte der Crash an den internationalen Finanzmärkten die weltweiten Vermögensbestände empfindlich zu schmälern. Auch in Deutschland schrillten bei Vielen die Alarmglocken. Für einen kurzen Moment stand die enorme Ungleichheit in der Vermögensverteilung wenigstens in Ansätzen zur Disposition. Eine Dekade später müssen sich Reiche und Superreiche keine Sorgen mehr machen. Im Gegenteil: Der konzentrierte Reichtum hat ungeahnte Höhen erreicht. Die wirklichen Kosten der Krise wurden von anderen bezahlt. Mission accomplished!

Fakt ist: Die ungleiche Verteilung von Vermögen schreitet immer weiter voran. In Deutschland geht es zehn Jahre nach der Wirtschaftskrise nicht gerecht zu. Das gesamte Nettovermögen beläuft sich hierzulande zwar auf etwa 12 Billionen Euro. Aber die vermögendsten 10 Prozent besitzen mittlerweile über 65 Prozent davon (siehe Grafik). Das sind 7.800.000.000 Euro. Vollzeit-Beschäftigte mit einem durchschnittlichen Bruttoverdienst von 3.771 Euro müssten dafür schlappe 17.236.807 Jahre arbeiten. Für die meisten sicherlich ein Klacks! Scherz beiseite: Ein Fünftel der Menschen besitzt überhaupt kein Vermögen oder hat bereits Schulden angehäuft. Sie leben von der Hand in den Mund.

Allerdings dürften diese Zahlen nur die Spitze des Eisberges sein. Denn während sich jeder Hartz IV-Empfänger finanziell bis aufs letzte Hemd entblößen muss, findet eine sy stematische Vermögenserfassung nicht statt. Mit der Aussetzung der Vermögenssteuer im Jahr 1997 ist die statistische Datenlage weggebrochen. Die Analysen zur Vermögensverteilung beruhen nun entweder auf freiwilligen Angaben oder Schätzungen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die tatsächliche Verteilung wesentlich ungleicher ist und der Anteil der TopVermögen am Gesamtvolumen deutlich höher ausfällt . Aber in Deutschland steht Reichtum nun mal unter Artenschutz und darf deshalb ungestört wachsen und gedeihen.

So darf es nicht weitergehen. Stetig zunehmende Ungleichheit ist kein Naturgesetz. Zudem ist sie kein tragfähiges Konzept für eine demokratische Gesellschaft. Diese extreme Konzentration von Vermögen ist weder ökonomisch sinnvoll noch sozial vermittelbar. Während sich die große Mehrheit der Bevölkerung an der Finanzierung von Sozialstaat und Infrastruktur beteiligt, werden die Vermögen der Reichen und Superreichen vollständig geschont. Gleichzeitig stagniert die Armutsbekämpfung.

Um einen handlungsfähigen Staat zu gewährleisten und die unübersehbaren sozialen Gräben zu schließen, ist eine gerechtere Besteuerung von großen Vermögen unbedingt notwendig. Die verfassungsgemäße (Wieder-)Einführung der Vermögenssteuer und deren progressive Gestaltung ist absolute Pflicht. Das würde dem Staat jährlich rund 25 Mrd. Euro an Mehreinnahmen bringen. Ebenso sind Steuern auf große Erbschaften und Schenkungen stärker als bisher zu erheben.

Damit können wichtige Investitionen in Infrastruktur, Bildung und bezahlbaren Wohnraum finanziert werden. So geht soziale Gerechtigkeit!


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